Osteopathie für Pferde

Der Begriff Osteopathie kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus „os“=Knochen und „pathos“=Leiden zusammen und beschäftigt sich demnach mit Leiden, die durch Bewegungseinschränkungen (Läsionen) vor allem in Wirbelsäule und Gliedmaßen entstehen.

Unter einer osteopathischen Blockade oder Läsion versteht man eine Bewegungseinschränkung eines Gelenks sowie der umliegenden Strukturen. Als komplexes Geschehen bewirkt sie Veränderungen des umgebenden Gewebes, eine Tonuserhöhung der gelenknahen Muskulatur sowie nervale Irritationen. Durch die Dysfunktion eines Gelenkes und durch Weiterleitung dieser Bewegungsstörung in andere Körperregionen können auch dort, weit entfernt von der Primärlokalisation, Läsionen entstehen. So kann z. B. eine Blockade hinten rechts Läsionen vorne links und in den Kopf- und Kiefergelenken und daraus resultierend Stellungs- und Anlehnungsprobleme verursachen.

Bleiben diese Blockaden über einen langen Zeitraum bestehen, kann es durch strukturelle Umbauten im Gelenk und den umgebenden Geweben zu irreversiblen Veränderungen kommen. Deshalb ist es wichtig, die volle physiologische Beweglichkeit eines Gelenkes möglichst schnell wieder herzustellen, um Schäden zu vermeiden.

Generell werden Blockaden durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit begünstigt. Ein suboptimales Exterieur, Huf- und Gliedmaßenfehlstellungen, schadhafte Reitweisen und Trainingsmethoden, aber auch ein schief sitzender Reiter oder ein unpassender Sattel tragen zur Entstehung von Läsionen bei.
Eine Ausnahme bilden Blockaden, die durch Ausrutschen, ins Halfter hängen etc. entstehen. Möglichst früh behandelt, lassen sich diese meist gut beheben.

Der Osteopath sucht gezielt nach diesen Läsionen und beseitigt sie mit verschiedenen rein manuellen Techniken. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert, der Körper kann sich neu ausrichten und stabilisieren. Durch die wiedererlangte Balance können Bewegungen wieder symmetrisch ausgeführt werden, Fehlbelastungen werden reduziert.

Diese Neuausrichtung kann, je nach Schwere der Blockade, ein paar Tage in Anspruch nehmen. In dieser Zeit sollten sich die Pferde frei bewegen können, um sich mit dem veränderten Körpergefühl vertraut zu machen. Daran anschließend kann der gezielte Aufbau der geschädigten Strukturen und verkümmerten Muskelgruppen beginnen.

Demnach sind Erfolge auch nicht immer direkt nach der Behandlung sichtbar, oft findet man jedoch im Anschluss eine Veränderung des Bewegungsablaufes. Auch ausgeprägte Müdigkeit oder Durst sind Anzeichen der vegetativen Vorgänge, die durch das Lösen der Blockaden ausgelöst werden können.

Blockaden äußern sich auf viele verschiedene Arten. Oft bemerkt sie der Reiter erst, wenn das Pferd dekompensiert, d.h. es keine ihm zumutbare Haltung mehr einnehmen kann.
Pferde sind Meister in der Ausführung von kompensatorischen Ausgleichsbewegungen. Durch Gewichtsverlagerung auf die anderen Beine, Festhalten von Muskelgruppen oder auch leichtes Verkanten der einzelnen Gelenke der Wirbelsäule gegeneinander laufen sie noch lange Zeit ohne größere Auffälligkeiten – so lange, bis keine erträgliche Bewegung mehr möglich ist.

Nun kommt es zu deutlichen Symptomen, unter anderem:

  • Probleme bei Stellung und Biegung
  • Kurze oder ungleichmäßige Bewegungen/Taktfehler
  • Kopf-Hochreißen/Kopfschlagen
  • Genickprobleme
  • Widersetzlichkeiten beim Reiten
  • Leistungsverlust
  • Stolpern
  • Rückenprobleme
  • Probleme beim Rückwärtsrichten/Versammeln
  • Fehlender Vorwärtsdrang

Aber auch:

  • Rosseprobleme
  • Verdauungsprobleme
  • Überempfindlichkeiten
  • Auffällige Kopf-/Hals- oder Schweifhaltungen

Spätestens jetzt sollte, nach Abklärung möglicher organischer oder orthopädischer Ursachen durch einen Tierarzt, eine osteopathische Behandlung erfolgen!